Höhenmessung mittels Seeinterferometer unter
Ausnutzung der solaren Radiostrahlung
Christian
Monstein
Eine für Amateure neue Anwendung radioastronomischer
Messmethoden besteht in der relativen Höhenmessung des Antennenstandortes über
einer Wasseroberfläche unter Verwendung eines sogenannten Seeinterferometers. Ein
Seeinterferometer ist ein Instrument, welches einen minimalen instrumentellen
Aufwand erfordert, nichtsdestoweniger aber interessante Experimente ermöglicht.
Hauptbedingung für die nachfolgend beschriebenen
Messungen ist eine möglichst grosse, unverbaute Wasserfläche nach Osten oder
allenfalls nach Westen. Dabei wird die auf- bzw. absteigende Bewegung einer
möglichst punktförmigen Radioquelle über dem Horizont und die Totalreflexion
der kurzwelligen Radiostrahlung auf der Wasseroberfläche ausgenutzt. Bei
geeigneter Empfangslage und dem Prinzip entsprechenden Winkelverhältnissen
führt die Addition der direkt empfangenen und der reflektierten Strahlung zu
Interferenzerscheinungen am Radioempfänger. Die Refraktion der Radiostrahlung
wird hier in dieser Arbeit der Einfachheit halber nicht berücksichtigt, denn
die übrigen mathematischen Zusammenhänge sind für den Amateur im allgemeinen
anspruchsvoll genug. Die geometrische Analyse der Situation in Abbildung #1 zeigt,
dass an der Empfangsantenne periodische Leistungsmaxima auftreten für die
folgende Beziehung:
![]()

Abbildung #1: Prinzipieller Strahlengang beim
Seeinterferometer an der Station des Verfassers. (Nord-Süd-Schnitt). [Bem. Der
Verfasser wohnt inzwischen leider nicht mehr an diesem schönen Ort].
Zwischen Zweien durch verschiedene Elevationswinkel
verursachte Leistungsmaxima beträgt der differentielle Phasenunterschied
zwischen direktem und reflektiertem Signal:
![]()
Daraus lässt sich die Höhe der Empfangsantenne relativ
zur Wasseroberfläche berechnen zu:
![]()
Für die Interferometermessungen benötigt man die
Winkelgeschwindigkeit v der Radioquelle in vertikaler Richtung (Elevation).
Leider steigt in unseren Breitengraden die Sonne im Osten keineswegs senkrecht
auf, so dass wir vorerst die vertikale Winkelgeschwindigkeit bestimmen müssen.
Ausgangspunkt für diese Berechnung bildet die
Koordinatentransformationsgleichung azimutal in parallaktisch /2/.
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Aus Gleichung (4) lässt sich die Winkelgeschwindigkeit
in Elevationsrichtung bestimmen durch Bildung des Differentialquotienten, bzw.
durch Differenzieren der Elevation nach der Zeit /3/.
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Die erste Ableitung von Gleichung
(4) gibt nach den allgemeinen Regeln der Differentialrechung (Kettenregel):

Andererseits kann die Periodendauer DT der Interferenzstreifen aus dem Diagramm (Abbildung
#3) herausgelesen werden:
![]()
Hierbei sind m der Papiermassstab, v die
Vorschubgeschwindigkeit und Ds der zeitliche Abstand der Interferenzstreifen. Wenn
man DT=dt setzt, was bei vorliegender Konfiguration
(stetiger, langsamer Funktionsverlauf) erlaubt sei, dann gilt:
![]()
Die Grundbausteine zur Höhenbestimmung sind nun in den
Gleichungen (3), (6) und (8) enthalten. wir wollen diese zusammenfassen zu:

Ein Vergleich des Klammerausdruckes unter der Wurzel
in Gleichung (6) mit Gleichung (4) zeigt, dass dieser genau dem Sinus der
Elevation entspricht. Da das Seeinterferometer aber im allgemeinen nur für
relativ kleine Elevationswinkel (maximal circa 5°) überhaupt funktioniert, kann
der Wurzelausdruck reduziert werden zu:
![]()
![]()
Damit lässt sich die endgültige Gleichung zur
Höhenbestimmung anschreiben:

![]()
und

Abbildung #2: Interferogramm der solaren
Radiostrahlung, verursacht durch Interferenzen einer direkten Radiowelle
(Sonne) und einer total reflektierten Radiowelle auf der Oberfläche des Zürichsees.
Am rechten Bildrand ist ein Kalibrationssignal (Rauschtreppe) zur Bestimmung
des Strahlungsflusses eingekoppelt.
Die erforderliche Sternzeit STZ für Gleichung (13) kann
aus einer Tabelle entnommen oder mit Hilfe eines Computers berechnet werden.
Für eine bestimmte Messung an der Station des Verfassers ergeben sich
nachstehend aufgeführte Parameter:
|
Parameter |
Inhalt |
|
Beobachtungsdatum |
25. Juni 1981 |
|
Beobachtungszeit |
05:30:00 bis 07:00:00 Ortszeit |
|
Schreibgeschwindigkeit Plotter (v) |
1 Inch pro 10 Minuten |
|
Papiermasstab (m) |
25,4 mm pro Inch |
|
Empfangsfrequenz (f) |
465 MHz |
|
ZF-Bandbreite (B) |
5,5 MHz |
|
Integrationszeit |
2 Sekunden |
|
Kalibrationsschritte |
07:00 To=300K und +1To=600K |
|
Deklination (d) |
23° 23,9' |
|
Breitengrad (b) |
47° 15' |
|
Rektaszension (a) |
6h 14' 36'' |
|
Interferenzabstand (Ds) |
circa 14mm |
Der Stundenwinkel (in Zeitstunden ausgedrückt) zum
Zeitpunkt des ersten Interferenzmaximums beträgt etwa t=-6,48h.
Eingesetzt in die Gleichung (13) ergibt sich die Höhe
der Empfangsantenne über Wasser zu: h=21,7m, was zu zeigen war und mit der
Realität gut übereinstimmt.
Literaturverzeichnis:
/1/ Der Sternhimmel 1981, Paul Wild, Verlag
Sauerländer.
/2/ Radio Astronomy for the Amateur, by Dave
Heisermann, Tab Books 1975.
/3/ Taschenbuch der Mathematik, Bronstein-Semendjajew,
Verlag Harry Deutsch Frankfurt/Zürich
Bemerkung:
Erstmalig Publikation im ORION 189 April 1982
(Zeitschrift der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft)
Adresse des Autors:
Christian Monstein
Wiesenstrasse 13
CH-8807 Freienbach