Radiobeobachtung Fragment (A) des Kometen Shoemaker-Levy 9 vom 16.07.1994

Am 16. Juli 1994 wurde mit dem Amateur-Radioteleskop "Ricken Süd" der Planet Jupiter während Stunden automatisch verfolgt und radioelektrisch beobachtet auf der Wellenlänge 70cm (432 MHz). Das Signal zeigte bis 21:42 Uhr Sommerzeit keine besonderen Ereignisse. Um etwa 21:54 Uhr stieg das Radiosignal um etwa den Faktor 3 in Form mehrerer Impulse an um nach etwa 2 Minuten wieder auf Normalpegel zurückzukehren. Die optisch beobachtenden Astronomen registrierten den Einschlag um etwa 21:58 Uhr, also 16 Minuten nach unseren ersten Radioimpulsen. Der Grund, warum die Radiostrahlung etwas früher beobachtet werden kann, ist zur Zeit unklar. Vermutlich spielt die beobachtete Wellenlänge zusammen mit dem interplanetaren Magnetfeld, sowie das Reflexionsverhalten der Jupiterathmosphäre eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Schon 30 Minuten vor dem "Jahrhundert-Crash im All" empfingen britische Wissenschaftler vom Planeten zehnmal stärkere Radiowellen als normal [Quelle: Sonntags Zeitung vom 17. Juli 1994 Nr. 29]. Unten abgebildet ist die Aufzeichnung des Amateur-Radioteleskops "Ricken Süd" von Léon Kälin Ermenswil, wobei die Abszisse die Zeit nach 21:00 Uhr in Minuten anzeigt. Die Ordinate zeigt die registrierten Digits vom Analog-Digital-Wandler, welcher am PC angeschlossen ist. Der Vergleich mit anderen Messungen an der Radioquelle Taurus A zeigt, daß der Rauschanstieg etwa 15 bis 20 Kelvin äquivalenter Antennenrauschtemperatur beträgt. Die Registrierung hat eine zeitliche Auflösung von 0,1 Sekunden und wurde mit einer Fourier-Transformation etwas geglättet, damit das Nutzsignal etwas besser in Erscheinung tritt.

Auf Grund der gemessenen Antennentemperatur und den bekannten astronomischen Koordinaten des Planeten kann näherungsweise die Explosionstemperatur (im Radiobereich) auf dem Planeten Jupiter berechnet werden.

Diese extrem hohe Temperatur hat nichts zu tun mit der thermischen Explosionstemperatur, sondern zeigt, daß hier Ladungsträger (Elektronen oder Protonen) im Magnetfeld des Jupiter oder dessen Umgebung beschleunigt wurden (Synchrotronstrahlung). Die optisch messenden Astronomen haben mit Hilfe von Weltraumteleskopen herausgefunden, daß die Explosionstemperatur mindestens 30'000 Grad Celsius beträgt. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die noch folgenden Crash's auswirken werden...